Recap – Was ist in den ersten beiden Monaten passiert.

Am 15.01.2026 habe ich die Entscheidung getroffen, mich mit meinem eigenen kleinen Tattoo-Atelier selbstständig zu machen.
Wenn ich damals schon gewusst hätte, was alles auf mich zukommt… hätte ich die Entscheidung vielleicht trotzdem getroffen – aber definitiv mit etwas mehr Respekt davor.

Hier sind fünf Dinge aus der Kategorie „Hätte ich das mal früher gewusst“:

1️⃣ Schön ≠ Praktisch
Nur weil ein Raum gut aussieht, heißt das noch lange nicht, dass er im Alltag funktioniert. Zwischen Aufbewahrung der Materialien, Einhaltung der Hygienestandards und der Frage, wie ein Kunde mehrere Stunden möglichst bequem liegen oder sitzen kann, steckt eine Menge Planung. Ein Tattoo dauert oft lange – und die Position muss für beide Seiten funktionieren.
So hat sich das Erscheinungsbild meines Ateliers durchaus geändert

2️⃣ Deutsche Bürokratie
Ich sage es, wie es ist: Junge… was ein Aufwand.
Nicht falsch verstehen – aus meiner Sicht ist das Tattoo-Business eigentlich zu wenig reguliert. Aber einige der bestehenden Vorschriften schießen komplett am Ziel vorbei (#REACH) oder sorgen für enormen organisatorischen Mehraufwand. Und obwohl ich nur ein kleines Licht am Unternehmerhimmel bin, fühlt sich der ganze Prozess von Gewerbeanmeldung bis steuerlicher Erfassung manchmal so an, als würde man gerade ein Schwerverbrechen gestehen.

3️⃣ Preisvorstellungen
Viele Menschen hören einen Tattoo-Preis und denken zuerst: „Ganz schön teuer.“
Was oft nicht gesehen wird: Nach Steuern, Verbrauchsmaterialien, Versicherungen, Beiträgen (z. B. Berufsgenossenschaft), Studio-Kosten und Werbung bleibt nicht einmal ein Drittel übrig. Dazu kommen viele Stunden Arbeit, die niemand sieht:
Motiverstellung, Anpassungen, Beratung zur Platzierung, Aftercare-Infos oder auch Ansprechpartner sein, wenn später Fragen auftauchen. All das passiert im Hintergrund.
Ich bin mit meiner Preisgestaltung sehr transparent. So besitze ich einen festen Stundensatz, nenne aber nach Einschätzung des jeweiligen Motives einen Maximalpreis. Sobald dieser erreicht ist, entstehen für den Kunden keine weiteren Kosten. Und sollten wir schneller sein, wird es natürlich billiger. Transparenter geht nicht.

4️⃣ Der Mythos „Ich werde Tätowierer“
Die romantische Vorstellung ist: Man tätowiert den ganzen Tag.
Die Realität: Ich bin gleichzeitig
Social-Media-Manager, Marketing-Manager, Customer-Success-Manager, Sachbearbeiter, Grafikdesigner, Buchhalter und manchmal auch Feel-Good-Manager.
Kurz gesagt: Viel Management – deutlich mehr als Stechen.

5️⃣ Verantwortung
Ich bin extrem selbstkritisch und ein notorischer Overthinker. Mit meinen Arbeiten bin ich selten zu 100 % zufrieden – und das ist vielleicht gar nicht schlecht.
In den letzten Monaten hatte ich viele Kunden, die mit Tattoos zu mir kamen, die vorher nicht sauber umgesetzt wurden. Und ich musste ihnen oft sagen:

Meine Aufgabe ist es, dich zufrieden zu machen – nicht anders herum.

Ja, ich klebe das Stencil auch 40-mal neu, bis DU zufrieden bist.
Und nein – du musst dich nicht entschuldigen, wenn dir nach der zehnten Korrektur noch eine Kleinigkeit auffällt. Das gehört dazu.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass dieses Verantwortungsgefühl bei manchen Kollegen etwas verloren gegangen ist. Bei mir definitiv nicht.

Unterm Strich:
Das Ganze ist manchmal ziemlich anstrengend.
Aber gleichzeitig unglaublich erfüllend.

Wenn ein Kunde den Stuhl verlässt und vor Freude fast weint, weil ein Tattoo mit Rechtschreibfehler durch eine Erweiterung plötzlich Sinn ergibt.
Wenn jemand mit Nadelangst sagt, dass es ein richtig gutes Erlebnis war.
Oder wenn ich an all die großartigen Menschen denke, die hier vorbeikommen und für ein paar Stunden ein Teil dieser kleinen Atelier-Familie werden.

Dann weiß ich:
Ich liebe, was ich tue.

Wenn ihr mögt, lasst ein bisschen Liebe da. 🖤

H.E.G.D.L

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